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Was häusliche Pflege wirklich wert ist

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Was häusliche Pflege wirklich wert ist
8. Mai 2025

206 Milliarden Euro

Pflegende Angehörige tragen den größten Teil der Versorgung in Deutschland – und zwar weitgehend unbezahlt. Eine neue Auswertung des Forschungsinstituts GAT – Gesundheit, Altern, Arbeit, Technik an der Hochschule Zittau/Görlitz beziffert den monetären Wert informeller Pflegeleistungen für 2023 auf rund 206 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Als Pflegegeld flossen im selben Jahr lediglich 16,2 Milliarden Euro an Pflegehaushalte. Diese Diskrepanz macht sichtbar, wie groß der Beitrag der Familien ist – und wie wenig er finanziell anerkannt wird.

Laut Studie werden etwa 86 % der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt, überwiegend durch Angehörige. Nur 22 % der Pflegehaushalte erhalten Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst. Die Forschenden betonen: Der "unsichtbare" Hauptteil der Pflegearbeit findet in den Familien statt – und bleibt in der öffentlichen Wahrnehmung oft unter dem Radar.

Die Autor:innen (u.a. Prof. Andreas Hoff, Prof. Steffi Höse, Prof. Martin Knoll, Prof. Notburga Ott) weisen zudem darauf hin, dass der Bedarf an häuslicher Pflege in den kommenden Jahrzehnten weiter stark zunehmen wird: Die Babyboomer-Generation erreicht das Pflegealter, während in der professionellen Pflege Fachkräfte fehlen. Wer an dieser Stelle etwa die Abschaffung des Pflegegrads 1 befürwortet, unterschätzt den aktuellen und künftigen Wert familiärer Pflege und die gesellschaftliche Herausforderung, die vor uns liegt.

Unser Fazit: Die Zahl 206 Milliarden Euro ist mehr als eine Kennziffer – sie ist ein Auftrag. Wenn häusliche Pflege das Rückgrat der Versorgung ist, braucht es spürbare Anerkennung und Entlastung: verlässliche Budgets für Entlastungsleistungen, Kapazitäten bei Kurzzeit-/Verhinderungspflege, niedrigschwellige Beratung, bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf und die finanzielle Absicherung pflegender Angehöriger.