Die aktuelle Reform des Wohn- und Teilhaberechts (WTG) in Nordrhein-Westfalen stößt laut den Beteiligten auf breite Ablehnung. Claudia Ott, Vorständin der Theodor-Fliedner-Stiftung und Sprecherin der Ruhrgebietskonferenz-Pflege, kritisierte den Ansatz als "stark verwaltungszentriert, nicht aus Sicht der Versorgung oder Betroffenen gedacht". Zusätzliche Bürokratie verschärfe die Lage, ohne grundlegende Probleme wie den Mangel an Pflegeplätzen oder steigende Kosten zu lösen. Ihr Fazit: Pflegepolitik müsse "Versorgung ermöglichen statt nur zu kontrollieren".
Notburga Ott, Vorständin von wir pflegen NRW, bemängelte die geringe Berücksichtigung pflegender Angehöriger. Diese übernehmen in der Versorgung eine zentrale vermittelnde Funktion zwischen pflegebedürftigen Menschen und Pflegekräften, werden im rechtlichen Rahmen aber nur unzureichend abgebildet. Insgesamt zog sich durch die Veranstaltung die Forderung, Pflege stärker aus der Perspektive der Betroffenen und der Praxis zu denken und das Zusammenspiel aller Beteiligten systematisch zu verbessern.
Weitere Beiträge machten deutlich, dass die Pflege gleichzeitig unter Fachkräftemangel, demografischem Wandel, Finanzierungsproblemen und zunehmender Bürokratie leidet. Vorgestellt wurden auch Lösungsansätze, etwa neue Wohn- und Versorgungsformen, digitale Plattformen zur besseren Vermittlung von Pflegeangeboten sowie KI-gestützte Dokumentationssysteme, die Mitarbeitende entlasten und mehr Zeit für direkte Versorgung schaffen können. Voraussetzung dafür seien jedoch verlässliche Finanzierung, einheitliche Rahmenbedingungen und mehr Vertrauen in innovative Prozesse.
Das gemeinsame Fazit des Gipfels war eindeutig: Pflege braucht einen grundlegenden Kurswechsel – hin zu mehr Ermöglichung statt Kontrolle, zu mehr Praxisnähe, Flexibilität und Finanzierungssicherheit. Oder, wie es am Ende der Veranstaltung zusammengefasst wurde: Pflege braucht "Ermöglichungsgesetze", damit sich ihre Kompetenzen entfalten und weiterentwickeln können.