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Positionen und Stellungnahmen

Mehr Pflege wagen

Positionen und Stellungnahmen
Mehr Pflege wagen
März 2022 | Positionspapier

Häusliche Pflege endlich als tragende Säule des Systems ernst nehmen

Das Positionspapier "Mehr Pflege wagen" ist ein umfassender politischer Handlungsaufruf zur Weiterentwicklung der häuslichen Pflege aus Sicht pflegender Angehöriger. Ausgangspunkt ist eine klare Diagnose: Das deutsche Pflegesystem ruht in weiten Teilen auf den Schultern von Millionen pflegenden An- und Zugehörigen, ohne ihnen die Unterstützung, Mitsprache und Absicherung zu geben, die ihrer zentralen Rolle entsprechen. wir pflegen e.V. macht deutlich, dass die Belastungsgrenzen vieler Familien längst erreicht oder überschritten sind und dass ein weiterer Ausbau der Pflege ohne grundlegende Reformen in einen massiven Pflegenotstand führen wird.

Das Papier kritisiert, dass häusliche Pflege politisch zu oft als private Selbstverständlichkeit behandelt wird, obwohl sie das Fundament der Versorgung bildet. Es fordert deshalb einen Perspektivwechsel: Pflege muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe geplant, finanziert und gesteuert werden — gemeinsam mit denjenigen, die sie täglich leisten. Im Mittelpunkt stehen nicht nur einzelne Verbesserungen, sondern ein breites Reformprogramm: eine unabhängige, zugehende und qualifizierte Pflegeberatung aus einer Hand, präventive Hausbesuche, bessere digitale Informations- und Beratungsangebote, ein flexibel nutzbares Entlastungsbudget, ein massiver Ausbau von Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflege sowie verlässliche Wege zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Auch die rechtliche und soziale Absicherung pflegender Angehöriger, ihre Alterssicherung und ihre verbindliche Beteiligung an politischen Entscheidungsprozessen spielen eine zentrale Rolle.

Besonders deutlich wird das Papier dort, wo es strukturelle Missstände offen benennt: fehlende Entlastungsangebote, Versorgungslücken bei ambulanten Diensten, unzureichende Kurzzeitpflege, prekäre Modelle der Live-in-Betreuung, mangelhafte Beschwerdewege und ein immer noch tabuisiertes Thema Gewalt in der Pflege. Dem setzt wir pflegen e.V. konkrete Forderungen entgegen: von einem bundesweiten Pflegegipfel über einen ressortübergreifenden Masterplan Pflege bis hin zu mehr Stimmrecht und institutioneller Beteiligung pflegender Angehöriger in Landespflegeausschüssen und anderen Pflegegremien.

Die Broschüre ist damit weit mehr als eine Sammlung einzelner Vorschläge. Sie beschreibt eine politische Neuordnung der häuslichen Pflege, in der pflegende Angehörige nicht länger als stille Reserve behandelt werden, sondern als gleichberechtigte Partner in der Pflege. Wer über die Zukunft der Pflege spricht, findet hier einen breit angelegten, fachlich unterlegten und politisch klar positionierten Reformrahmen.